Hund liegt im Gras und schaut in die Kamera

Corynebacterium rouxii: Auslöser für Hautveränderungen bei Hunden

Corynebacterium (C.) diphtheriae, ist der Erreger der Diphtherie des Menschen, einer nach wie vor weltweit mit hohen Erkrankungs- und Sterblichkeitsraten einhergehenden Infektionskrankheit. Tiere galten bis dato als nicht besonders empfänglich für diesen Erreger, weshalb man auch keine Zoonosegefahr mutmaßte.

Unlängst wurde die Bakterienart aber weiter aufgegliedert und zwei neue Spezies beschrieben: C. belfantii und C. rouxii. Unser Labor hat gerade eine Fallserie publiziert, bei welcher insgesamt drei Fälle von C. rouxii-Infektionen bei Hunden in Deutschland nachgewiesen wurden, die wegen Hautveränderungen in Behandlung waren. Die Bakterien wurden biochemisch und mittels Flugzeit-Massenspektrometrie (MALDI-TOF MS) zunächst als C. diphtheriae identifiziert. Mit Hilfe der Ganzgenomsequenzierung gelang die genauere Differenzierung. Bei der Arbeit waren weitere Labore der Universitäten Gießen und München sowie das Konsiliarlabor für toxigene Corynebakterien beteiligt. Die Hunde litten unter chronischen nässenden bis eitrigen Hautentzündungen oder großflächigen, schweren Verletzungen.

Nachweis innerhalb von 24 Stunden

Alle Tupferproben wurden kulturell-bakteriologisch auf Nährböden ausgestrichen. Nach 24 Stunden Inkubation bei 37° C konnten die Erreger (neben bakterieller Begleit-Mikrobiota) nachgewiesen werden. Es folgte eine Differenzierung mit Hilfe von biochemischen Verfahren und der MALDI-TOF-Massenspektrometrie. Zusätzlich wurden alle drei Isolate auf Ihre Antibiotikaempfindlichkeit mittels Mikrobouillondilution geprüft. Eingehende molekularbiologische Untersuchungen wie verschiedene Polymerase-Kettenreaktionen (PCR) sowie eine Ganzgenomsequenzierung der Isolate durch das Konsiliarlabor rundeten das diagnostische Spektrum ab und ergaben keine Hinweise auf Diphtherie-auslösende Toxine. Allerdings stufen wir diese Bakterien auch nicht als harmlos ein, denn nahe verwandte Bakterien werden regelmäßig zwischen Menschen und ihren Haus- und Heimtieren bei engem Kontakt übertragen. Auch Wildtiere können C. rouxii beherbergen, wie der Nachweis bei einem Fuchs beweist (Sing et al. 2016). Vertreter dieser Gruppe sollten daher genau überprüft und bis auf Speziesebene ausdifferenziert werden. Denn aufgrund der wenigen weltweit nachgewiesenen Fälle und Krankheitsverläufe ist davon auszugehen, dass es sich auch bei C. rouxii um einen Zoonoseerreger handelt. Leider lagen bei unseren Fällen in keinem Fall Proben der Tierbesitzer vor, um diese Hypothese untermauern zu können.

Petrischale mit rotem Nährboden zeigt einen Belag mit Erregern

Wie die Ergebnisse zeigen, ist für die Identifikation die MALDI-TOF MS prinzipiell gut geeignet, sofern man über die entsprechenden Spektren verfügt. Diese und weitere Referenzspektren aus dem veterinärmedizinischen Bereich mit klinischem Bezug können über die nicht-kommerzielle MALDI-Benutzerplattform eingesehen werden (www.maldi-up.ua-bw.deÖffnet sich in einem neuen Fenster) (Rau et al. 2019).

Antibiogramm dringend empfehlenswert

Aus klinischer Sicht heilten die Hautveränderungen der Hunde unter antibiotischer Therapie ohne Komplikationen ab. Die Durchführung eines Antibiogramms ist auch bei dieser Bakteriengruppe dringend empfehlenswert, um Resistenzen der Bakterien sofort zu erkennen. Die Publikation stellt die erste Fallbeschreibung von klinischen Infektionen der Haut beim Hund, hervorgerufen durch C. rouxii, dar (Schlez et al. 2021). Für diese Erreger fehlen derzeit standardisierte diagnostische Vorgehensweisen, sodass eine Bestätigung durch ein Referenzlabor auf jeden Fall empfehlenswert ist. 

Generell sollte bei eitrigen Hautentzündungen beim Haustier differenzialdiagnostisch auch an diese Erregergruppe gedacht werden, denn wie im Fall von C. rouxiikann es sich auch um einen humanen Krankheitserreger handeln. Die Untersuchung einer geeigneten Tupferprobe in einem spezialisierten veterinärmedizinisch-mikrobiologischen Labor ist daher empfehlenswert.

Literatur
Rau J, Eisenberg T, Männig A, Wind C, Lasch P, Sting R. MALDI-UP – An internet platform for the exchange of MALDI-TOF mass spectra. User guide forhttp://maldi-up.ua-bw.de/Öffnet sich in einem neuen Fenster. Aspects of food control and animal health (eJournal). 2016;2016(1):1-17.
Schlez K, Eisenberg T, Rau J, Dubielzig S, Kornmayer M, Wolf G, Berger A, Dangel A, Hoffmann C, Ewers C, Sing A (2021) Corynebacterium rouxii, a recently described member of the C. diphtheriae group isolated from three dogs with ulcerative skin lesions. Antonie van Leeuwenhoek https://doi.org/10.1007/s10482-021-01605-8Öffnet sich in einem neuen Fenster
Sing A, Konrad R, Meinel DM, Mauder N, Schwabe I, Sting R (2016) Corynebacterium diphtheriae in a free-roaming red fox: case report and historical review on diphtheria in animals. Infection 44:441-445.https://doi.org/10.1007/s15010-015-0846-yÖffnet sich in einem neuen Fenster