In Afrika (Nord- und Zentralafrika), Asien (Vorderer Orient, Türkei, Indischer Subkontinent, Kaukasus, China) und Russland treten Schaf- und Ziegenpocken in wiederkehrenden Epidemien oder endemisch auf. In Europa gab es in der Vergangenheit sporadische Ausbrüche (Spanien, Griechenland, Bulgarien). Deutschland gilt seit 1920 als frei. Aktuell melden Griechenland und Bulgarien seit Herbst 2024 Ausbrüche, im Juni 2025 trat die Seuche in Rumänien auf.
Schaf- und Ziegenpocken werden durch Viren verursacht, die man nach der Tierart benannt hat, in der sie zuerst isoliert wurden - Schafpockenviren (Sheepox virus, SPPV) in Schafen und Ziegenpockenviren (Goatpox virus, GTPV) in Ziegen. Tatsächlich gehören beide Virusarten zu den Capripoxviren und sind eng miteinander verwandt. Die meisten Stämme sind wirtsspezifisch und lösen nur in Schafen eine Erkrankung aus oder nur in Ziegen. Es gibt allerdings SPPV- und GTPV-Stämme, die beide Tierarten infizieren können. Der Krankheitsverlauf ist in der jeweils eigenen Wirtsspezies in der Regel deutlich schwerer. Darüber hinaus sind manche Wildwiederkäuer empfänglich, der Menschen kann jedoch nicht erkranken.
Ein dritter Verwandter von SPPV und GTPV ist das Lumpy-Skin Disease Virus (LSDV). Diese drei Virusarten kreuzreagieren miteinander, sodass Untersuchungen auf Antikörper im Blut nicht geeignet sind, um sie voneinander zu unterscheiden.
Klinisches Krankheitsbild
Die äußerlich sichtbaren Krankheitsanzeichen sind sehr charakteristisch. Ihre Ausprägung ist je nach verursachendem SPPV- und GTPV-Stamm unterschiedlich und hängt von den krankmachenden Eigenschaften des Virus sowie der Empfänglichkeit des Wirtes (Immunstatus, Alter, Rasse) ab. Dementsprechend kann die Erkrankung einen milden bis schweren Verlauf nehmen. Die Inkubationszeit (Zeitraum zwischen Erregereintritt und Beginn sichtbarer Krankheitsanzeichen) von SPP und GTP beträgt vier bis vierzehn Tage. Das Virus vermehrt sich zunächst an der Eintrittspforte zum Tierkörper, um dann die regionalen Lymphknoten zu befallen (vor allem. Buglymphknoten und Kehlgangslymphknoten schwellen an). Von dort gelangt es über die Blutbahn in die Haut, die Schleimhäute von Maul, Nase, Augen, Lungen und in andere innere Organe. Die Verbreitung des Virus über die Blutbahn (Virämie) beginnt etwa sechs Tage nach der Infektion und hält für ca. eine Woche an. Haut und Schleimhäute sind die bevorzugten Zielorgane. Etwa zwölf Tage nach einer natürlichen Infektion setzt hohes Fieber (40-42 Grad Celcius) ein, die Tiere sind schwach und hören auf zu fressen. Bei milchgebenden Tieren setzt die Milchbildung aus. Diesen unspezifischen Anzeichen folgen bald erste Veränderungen (rundliche, rote Flecken von 20-30 Milimeter Durchmesser) an den Augenschleimhäuten und Augenlidern, an den Lippen, im Maul und in den Nasenlöchern sowie an den Ohren. Die roten Flecken werden schnell zu Knötchen, die im weiteren Verlauf krustig werden und sich über den ganzen Körper ausbreiten können. Weitere Anzeichen sind Nasen- und Augenausfluss, Speicheln, Husten. Typische Stellen für die Hautknoten sind neben der Kopfregion die Schwanz-Aftergegend, die Leistengegend sowie Zitzen und Euter (Körperregionen mit wenig Behaarung/Bewollung). In schweren Fällen kann jedoch die gesamte Körperoberfläche betroffen sein. Es können Pockenschädigungen (Läsionen) im Atmungs- und im Verdauungstrakt oder auch auf der Oberfläche sämtlicher innerer Organe gefunden werden. Schädigungen im Atmungstrakt und der Lunge führen zu Atembeschwerden und Husten und können sekundär zu einer bakteriellen Lungenentzündung führen. Durch Befall des Verdauungstraktes oder der Gebärmutter können Durchfall und Aborte auftreten.
Bei Lämmern unter drei Monaten können hohes Fieber und Festliegen als einzige Symptome auftreten und sie können ohne weitere klinische Anzeichen sterben.
Die Erkrankungsraten von SPP und GTP sind typischerweise hoch, zwischen 70 und 90 Prozent. In endemischen Ländern sind sie oft niedriger. Eine Sterblichkeitsrate von 50 Prozent ist nicht ungewöhnlich. Bei Jungtieren kann sie bis zu 100 Prozent betragen, vor allem in vorher virusfreien Gebieten. Maternale Antikörper (aus der Biestmilch) schützen Jungtiere während der ersten drei bis vier Lebensmonate. Dieser Schutz ist jedoch nicht verlässlich, da die Mütter aufgrund eines Ausbruches gemerzt worden sein können oder die Geburt nicht überleben, sodass die maternalen Antikörper nicht an den Nachwuchs weitergegeben werden. In Gebieten mit häufigen Ausbrüchen findet man die typischen Krankheitsanzeichen nur selten bei Tieren älter als ein Jahr, da die meisten bis dahin entweder gestorben sind oder eine Immunität entwickelt haben.
Infizierte Tiere scheiden das Virus in großen Mengen mit sämtlichen Körperflüssigkeiten aus: Augen- und Nasenausfluss, Speichel, Ausatmungsluft, Milch, Urin, Kot. Schafe und Ziegen sind sehr infektiös kurz nach dem Auftreten erster Hautläsionen bzw. während der ersten zehn Tage, bevor wirksame Spiegel schützender Antikörper vorhanden sind. Nach einer durchgemachten Feldinfektion besitzen die Tiere eine lebenslange Immunität. Überlebende Tiere werden irgendwann wieder virusfrei, bislang gibt es keine Hinweise auf eine dauerhafte Infektion.
Anhand der klinischen Anzeichen ist es nicht möglich, die Infektion mit SPPV oder GTPV voneinander zu unterscheiden. Es besteht eine Rassedisposition, so sind zum Beispiel europäische hochleistende Schaf- und Ziegenrassen stärker betroffen als lokale Rassen in den endemischen Gebieten.