Verschiedene Pilze

Landesbetrieb Hessisches Landeslabor

Untersuchung von heimischen Pilzen auf Radionuklide und Schwermetalle

Wildpilze in Hessen wurden von 2010 bis 2019 auf Schwermetalle und Radionuklide untersucht. Die Belastung variiert je nach Art und Standort – teils mit gesundheitlicher Relevanz.

Radioaktives Cäsium

Am 26. April 1986 ereignete sich im Kernkraftwerk Tschernobyl in der Ukraine ein schwerer Unfall. Dadurch wurden große Mengen radioaktiver Stoffe in die Atmosphäre freigesetzt und in mehreren „Wolken“ über Europa verteilt. In Deutschland waren vom radioaktiven Fallout vor allem die Regionen südlich der Donau und der Bayrische Wald betroffen, aber auch einige Regionen im Norden Sachsen-Anhalts und im Westen Brandenburgs und Mecklenburgs. Hessen wurde dagegen nur in deutlich geringerem Ausmaß in Mitleidenschaft gezogen.

Von den freigesetzten Nukliden spielt in Mitteleuropa inzwischen nur noch das relativ langlebige Cäsium-137 (Cs‑137) eine Rolle. Dieses Radionuklid ist auf Grund seiner Halbwertszeit von etwa 30 Jahren seit 1986 bis heute nur zu etwa der Hälfte zerfallen. Neben dem Kernreaktor von Tschernobyl stellen die Kernwaffentests der 60er-Jahre eine weitere Quelle für die Umweltkontamination mit Cs‑137 dar. Die durch den Reaktorunfall freigesetzte Menge an Cs‑137 beträgt zwar nur etwa ein Zehntel der Menge, die bei allen oberirdischen Kernwaffentests freigesetzt wurde, konzentriert sich allerdings auf eine kleinere Fläche (Europa).

Cs‑137 wird in landwirtschaftlich genutzten Böden so stark an die vorhandenen Tonminerale gebunden, dass die Pflanzen es kaum über die Wurzeln aufnehmen können. Ganz anders stellt sich die Situation bei den Böden des Waldes dar, welche im Gegensatz zu landwirtschaftlichen Nutzflächen nicht umgepflügt und gedüngt werden. Cs-137 bleibt in diesen sehr wirkungsvollen Nährstoffkreisläufen eingebunden und wandert deshalb nur langsam in die mineralischen Bodenschichten ab, wo es ähnlich wie auf landwirtschaftlichen Böden durch Tonminerale gebunden werden kann. Insbesondere in den organischen Auflageschichten der Waldböden, die aus sich zersetzender Streu gebildet werden, ist Cs-137 leicht verfügbar und wird schnell durch Bodenorganismen, Pilze und Pflanzen aufgenommen.

Besonders Pilze (Abb. 1) können durch ihr weitverzweigtes unterirdisches Geflecht (Myzel) Cs‑137 aus der Umgebung aufsammeln. Die Belastung der Pilze hängt dabei sowohl von der Konzentration des Nuklids in ihrer Umgebung als auch vom speziellen Anreicherungsvermögen der jeweiligen Pilzart ab.

Korb mit frischen Pfifferlingen
Abb. 1: Korb mit frischen Pfifferlingen

Im Zeitraum von 2010 bis 2019 wurde vom Hessischen Landeslabor (LHL) die Untersuchung von insg. 121 Proben frische Pilze und Pilzmischungen auf gammastrahlende Radionuklide (u.a. Cs-137) beauftragt (s. Tab.1). Die höchste Aktivität an Cs-137 mit 434 Becquerel pro Kilogramm (Bq/kg) fand sich in einer Probe Pfifferlinge aus Russland. Keine der untersuchten Proben überschritt den geltenden Grenzwert von 600 Bq/kg.

Die jährliche natürliche Strahlenexposition, der jeder Mensch ausgesetzt ist, beträgt in Deutschland im Mittel 2,1 Milli-Sievert (mSv). Je nach örtlichen Gegebenheiten liegt sie zwischen 1 und 10 mSv. Der Verzehr einer Pilzmahlzeit mit 200 Gramm (g), die eine Cs-137 Aktivität am zulässigen Grenzwert von 600 Bq/kg aufweist, würde zu einer Belastung von 0,0015 mSv führen, d.h. zu weniger als 1 Promille der mittleren natürlichen Strahlenexposition pro Jahr.

 

Tab. 1: Cs-137 in frischen Pilzen 2010 bis 2019

HerkunftPilzart

Anzahl

Proben

Anzahl
>NG
Mittelwert
[Bq/kg]
Maximum
[Bq/kg]
DeutschlandAusternseitling50  
 Maronenpilz11 8,3
 Parasolpilz11 0,2
 Pfifferling337,314,2
 Pilze o.w.A.4432,2120,0
 Steinpilz5534,067,0
 Wildpilzmischungen101010,137,6
BulgarienPfifferling11 14,7
LettlandPfifferling11 10,8
LitauenPfifferling101044,4216,3
 Pilze o.w.A.11 75,0
MazedonienPfifferling11 12,4
PolenAusternseitling31<0,10,1
 Pfifferling121267,7243,4
 Steinpilz2251,379,3
 Zuchtchampignon30  
RumänienPfifferling11 89,0
 Steinpilz3331,535,7
RusslandPfifferling141458,9434,3
SerbienPfifferling11 17,5
 Pilze o.w.A.11 4,9
TürkeiSpeisemorchel11 2,3
 Spitzmorchel331,01,3
WeißrußlandPfifferling333387,8320,0
 Pilze o.w.A.11 34,0
  12111148,5 

Die Analyse der Proben erfolgte durch das Hessische Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie. Die einzelnen Ergebnisse der Messungen werden regelmäßig auf der Internetseite der HLNUGÖffnet sich in einem neuen Fenster röffentlicht.

Schwermetalle

Nicht nur die Elemente Cäsium und Kalium werden von Pilzen aus der Umwelt aufgenommen, sondern auch gesundheitlich bedenkliche Schwermetalle wie Arsen, Cadmium, Quecksilber und Blei. Im Zeitraum von 2010 bis 2019 wurden vom LHL insgesamt 46 Proben auf diese Elemente hin untersucht. Die Tabelle 2 zeigt Herkunft und Art der Proben und Tabelle 3 die Gehalte der Elemente (Mittelwert, Maximum) für die einzelnen Pilzarten.

Tab. 2: Schwermetalle in Pilzen 2010-2019 - Herkunft

HerkunftPilzartAnzahl
Proben
DeutschlandKräuterseitling1
 Pfifferling1
 Pilze o.w.A.1
 Riesenträuschling1
 Rotfußröhrling1
 Wildpilzmischung1
 Zuchtchampignon13
BulgarienPfifferling1
LitauenPfifferling3
NiederlandeZuchtchampignon1
PolenAusternseitling1
 Pfifferling6
 Zuchtchampignon7
RusslandPfifferling4
WeißrußlandPfifferling4
  46


Tab. 3: Schwermetalle in Pilzen 2010-2019 - Gehalte (in mg/kg)

 ArsenCadmiumQuecksilberBlei    
PilzartMWMaxMWMaxMWMaxMWMax
Pfifferling<0,010,0170,0210,036<0,0030,0050,0410,084
Zuchtchampignon0,0110,0330,0060,011<0,0030,005<0,010,015
Sonstige Pilze0,0450,1130,3000,8140,0900,4700,0610,154

Die zulässigen Höchstgehalte betragen je nach Pilzart für Cadmium 0,10 bzw. 0,30 mg/kg und für Blei 0,20 bzw. 1,0 mg/kg. Für Arsen und Quecksilber wurden bisher noch keine Höchstgehalte festgesetzt. Nur im Falle des Cadmiums überschritten zwei Proben aus Deutschland den zulässigen Höchstgehalt von 0,10 mg/kg (Wildpilze = 0,814 mg/kg; Rotfußröhrling = 0,607 mg/kg). Die Gehalte der weiteren Proben hielten die gesetzlichen Grenzwerte ein.

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