Parasiten in Wildschweinfleisch

Mit Unterstützung der hessischen Ämter für Veterinärwesen und Verbraucherschutz werden erlegte Wildschweine regelmäßig im Landesbetrieb Hessisches Landeslabor (LHL) auf das Vorkommen des Duncker´schen Muskelegel hin untersucht. Dabei konnte der DME bei einem erlegten Wildschwein aus Hessen nachgewiesen werden (siehe Video). Weitere Untersuchungen werden zeigen, ob es sich um einen Zufallsbefund handelte oder ob mit einem höheren Vorkommen bei hessischen Wildschweinen zu rechnen ist. Der Nachweis führte zur Genussuntauglichkeit und Entsorgung des erlegten Wildschweins.

Was ist der DME und wo kommt er vor?

Der DME ist das infektiöse Entwicklungsstadium des parasitären Saugwurms Alaria alata. Der Saugwurm lebt als Parasit in der Regel im Darm seines Wirtes. Über verschiedene Entwicklungsstadien im Wasser und in mehreren Zwischenwirten wie Schnecken, Kaulquappen oder Frösche gelangt der DME schließlich in seinen Endwirt (fleischfressende Tiere wie Rotfüchse, Marderhunde, Luchse, selten Haushunde oder -katzen), wo er nach einer Körperwanderung eine Weiterentwicklung zum Saugwurm vollzieht. Schwarzwild nimmt als Fehlwirt den Parasit über die Nahrung auf, wenn es Schnecken, Amphibien und Reptilien frisst.

Wie erfolgt eine Infektion des Menschen?

Obwohl das Risiko sehr gering ist, kann laut Bundesamt für Risikobewertung (BfR) nicht ausgeschlossen werden, dass DME-infiziertes Wildschweinfleisch in den Handel gelangt und damit ein potentielles Gesundheitsrisiko für den Menschen darstellt. Besonders nach dem Verzehr von nicht vollständig durcherhitztem, DME-infiziertem Fleisch kann der Mensch an der sogenannten larvalen Alariose erkranken. 

Welche Symptome treten bei einer Infektion auf?

Aufgrund einer ausgedehnten Körperwanderung vom Enddarm durch die Darmwand in die Bauchhöhle bis zur Muskulatur und verschiedenen Organen, kann es nach der Infektion zu verschiedenen Symptomen kommen. Dazu gehören Atemwegs- und Hauterkrankungen, aber auch Netzhautschäden am Auge.

Als therapeutische Maßnahmen werden bei lokalem Befall Operationen und bei systemischen Infektionen Medikamente gegen Wurmbefall eingesetzt.  In manchen Fällen werden zusätzlich entzündungshemmende Mittel (Kortikosteroide) angewandt.

Worauf sollten Verbraucher achten?

Parasiten können über eine Schmierinfektion (Übertragung per Finger) in Augen, Nase, Mund geraten. Bei der Verarbeitung von rohem Wildschweinfleisch sollte besonders auf gute Küchenhygiene geachtet werden: Arbeitsflächen, Schneidbretter und Messer dürfen nicht mit anderen Gegenständen in Berührung kommen, um eine Kontamination zu vermeiden. Zwischen den Arbeitsschritten wiederholt eine gründliche Reinigung von Arbeitsfläche und Händen vornehmen, ggf. Handschuhe tragen.

Verhinderung der Infektion durch Nahrungsaufnahme: 
Wildbret muss in jedem Fall ausreichend durchgegart werden (72 °C im Inneren für 2 Minuten)!

Ist die Untersuchung auf DME Pflicht?  

In Deutschland besteht für den DME keine Untersuchungspflicht. Jedoch kommt es immer wieder zu Zufallsbefunden während der gesetzlich vorgeschriebenen Untersuchung von Wildschweinen auf Trichinellen. Mit Hilfe des sogenannten Auswanderungsverfahrens lässt sich der DME unter dem Mikroskop leicht nachweisen. In einem in 2015 durchgeführten Zoonosemonitoring, an dem acht Bundesländer teilnahmen, wurde der DME bei 4,6 Prozent der erlegten Wildschweine nachgewiesen. Seit 2017 wurden am Landeslabor etwa 300 Wildschweine ohne DME-Befund untersucht. Der jetzt vom LHL nachgewiesene Befall ist der erste Befund dieser Art in Hessen.

Duncker'scher Muskelegel aus einer Wildschweinprobe