West Nil Virus nun auch in Deutschland nachgewiesen!

Der Erreger für eine in Mitteleuropa seltene Infektionskrankheit konnte 2018 auch in Deutschland erstmals nachgewiesen werden. Bei der durch den Erreger hervorgerufenen Erkrankung handelt es sich um das West Nil Fieber, eine durch das gleichnamige Virus hervorgerufene zoonotische Erkrankung. Es erkranken in erster Linien Vögel; Pferde und Menschen können auch betroffen sein.

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Spatzen auf einem Ast

Der Erreger

Bei dem Erreger, dem West Nil Virus (WNV) handelt es sich um ein behülltes RNA- Virus aus der Familie der Flaviviren. Nahe Verwandtschaft besteht zu weiteren Flaviviren, wie dem Dengue Virus, dem Japan-Enzephalitis-Virus, dem FSME-Virus, dem Hepatitis C-Virus, dem St. Lewis-Enzephalitis-Virus und dem Gelbfieber- Virus. Da die Erregerübertragung durch blutsaugende Stechmücken, wie Mückenarten der Gattungen Culex (z.B. Culex pipiens) oder Aedes (z.B. Aedes albopictus, die asiatische Tigermücke) erfolgt, wird das WNV zu den Arbo (arthropod-borne) Viren gezählt.

West Nil Virus

Wo kommt das Virus vor?

WNV kommt weltweit vor und gehört zu den am weitesten verbreiteten Flaviviren. Erstmals wurde der Erreger 1937 in Afrika im West-Nil-Distrikt in Uganda nachgewiesen. Anfang der 1960er Jahre trat es erstmals auf dem europäischen Festland (Frankreich) auf und etablierte sich nachfolgend im Mittelmeerraum. In den USA wurde 1999 zum ersten Mal vom Auftreten berichtet. In kurzer Zeit verbreitete sich das Virus dann im gesamten Land, auch Kanada war betroffen. 2002 kann es in Nordamerika zu einer großen Epidemie mit über 4000 erkrankten Menschen und 250 Toten.

Allgemein handelt es sich in Europa um saisonale Ausbrüche, die sich bis 2017 auf süd- und südosteuropäische Länder beschränkten. In erster Linie betroffen waren und sind Italien, Ungarn, Rumänien und Griechenland. Vereinzelt wurden in den letzten Jahren auch Nachweise u.a. aus Bulgarien, Österreich und Frankreich berichtet.

In Deutschland trat diese Erkrankung bis 2018 nur bei Menschen auf, die sich im Ausland in Endemiegebieten aufgehalten hatten und nach ihrer Rückkehr erkrankten. Tiere waren nicht betroffen.  

Dies änderte sich im August 2018 als das West-Nil-Virus in einem verstorbenen Bartkauz aus einer Volierenhaltung in Halle a. d. Saale (Sachsen-Anhalt) nachgewiesen wurde. Bis Jahresende 2018 waren es dann insgesamt 12 Fälle bei Vögeln sowie zwei Erregernachweise bei Pferden. Betroffene Vogelarten waren Sperlinge, Rabenvögel, Eulen und Greifvögel aus den Ländern Sachsen-Anhalt, Bayern, Berlin und Mecklenburg-Vorpommern. Die beiden Fälle, die Pferde betrafen, stammten aus Brandenburg und Sachsen-Anhalt. Bei Menschen wurde das Virus nicht nachgewiesen.

Für 2019 stellte das Nationale Referenzlabor für West-Nil-Virus-Infektionen am FLI bereits Anfang Juli den ersten Fall fest – es erkrankte eine Schneeeule aus einem Tierpark in Wittenberg, Sachsen-Anhalt. Insgesamt erfolgten im Jahr 2019 53 Nachweise bei Vögeln und 27 bei Pferden. Damit ist davon auszugehen, dass das WNV in der einheimischen Stechmückenpopulation überwintert hat. Auch menschliche Infektionen mit klinischen Erscheinungen ohne Reiseanamnese, die wahrscheinlich durch Mückenstiche erfolgten, wurden 2019 in Ostdeutschland beobachtet. Das Robert-Koch-Institut (RKI) geht zusätzlich von einer relativ hohen Anzahl von latenten, d.h. symptomlosen Infektionen aus, da nur etwa einer von 100 Infizierten schwer erkrankt. Europaweit wurden 2019 463 Erkrankungen bei Menschen gemeldet (ca. 82% der Fälle in Griechenland, Rumänien, Italien und Ungarn).

Wie findet die Virusübertragung statt?

WNV-Infektionen korrelieren zeitlich mit der Mückensaison, da der eigentliche Übertragungs-Kreislauf zwischen Stechmücken (s.o.) und wildlebenden Vögeln (Hauptwirte) abläuft. Die Übertragung auf Säugetiere und Menschen kann stattfinden, wenn die Stechmücken zuvor an infizierten Vögeln gesaugt haben.

Bei Pferden, anderen Säugetierarten und Menschen sind auch bei Erkrankungen nur geringe Virusmengen im Blut. Diese reichen bei Aufnahme durch eine Stechmücke nicht aus für die Übertragung auf andere Tiere oder Menschen, so dass die Erreger nicht weitergegeben werden können. Deshalb sind Pferde und Menschen in diesem Zusammenhang als sogenannte „Fehlwirte“ anzusehen. Nur in äußerst seltenen Fällen wäre beim Menschen die Übertragung der Viren von infizierten Müttern auf das ungeborene Kind oder während des Stillens auf das Kind denkbar.

West-Nil-Virus-Infektionen – Welche Tierarten sind betroffen und welche Symptome treten auf?

Als Hauptwirte des WNV gelten Vögel. Sie sind als das wichtigste Virusreservoir anzusehen. Bei den meisten Vögeln verläuft die Infektion völlig symptomlos. Eine Ausnahme hiervon sind insbesondere Sperlingsvögel und darunter v.a. Rabenvögel, aber auch Eulen- und Greifvogelarten. Bei den vorgenannten Vogelarten kann es zu massenhaften Erkrankungen mit Todesfolgen kommen. Bei schwereren Verläufen dominieren neurologische Symptome mit Blutungen in Schnabel- und Kloakenregion. Unser Wirtschaftsgeflügel ist deutlich weniger anfällig.

Zahlreiche Säugetierarten sind ebenfalls mit dem Virus infizierbar, es treten in den allermeisten Fällen aber keinerlei Krankheitserscheinungen auf. Schwere Krankheitsverläufe sind jedoch bei Pferden und Menschen möglich.
Bei Pferden können sich als Folge der Infektion starke hauptsächlich neurologische Symptomen wie Stolpern, Nachhandlähmungen, Muskelzittern, Schwäche ggf. sogar mit Festliegen entwickeln. Seltener treten auch fieberhafte Allgemeinerkrankung auf. Ein tödlicher Verlauf ist möglich.
Auch beim Menschen verlaufen die Infektionen überwiegend symptomlos. Im Falle klinischer Erscheinungen treten grippale Infekte mit Fieber auf. Daher wird dieser klassische Verlauf auch als West-Nil-Fieber bezeichnet. Nur äußerst selten kann es zu schweren Verlaufsformen mit einer Hirnhaut- oder Gehirnentzündung kommen, die vor allem bei älteren Patienten tödlich verlaufen kann. Diese Fälle treten vor allem bei Menschen mit einem geschwächten Immunsystem auf.

Wie wird das West-Nil-Virus bekämpft?

Die WNV-Infektion ist in Deutschland anzeigepflichtig. Bei Verdacht ist der Amtstierarzt umgehend zu verständigen.

Nur für Pferde stehen auf dem deutschen Markt verschiedene zugelassene Impfstoffe zur Verfügung. In einer aktuellen Ausgabe der Impfempfehlungen (21.02.2020) der Ständigen Impfkommission Veterinärmedizin (StIKo Vet) wird zu einer Impfung von Pferden in betroffenen und angrenzenden Gebieten geraten. Auch Pferde, die in diese Gebiete verbracht werden (z.B. zu Turnieren), sollten geimpft werden. Es empfiehlt sich, die Impfung rechtzeitig vor Beginn der Mückensaison durchzuführen.

Die Anwendung von Repellentien (Insekten abstoßende Wirkstoffe) ist empfehlenswert.

Um einer Übertragung der West-Nil Viren vorzubeugen, sollte auch der Mensch sich in betroffenen Gebieten vor Insektenstichen schützen.

Monitoring in Hessen

Am LHL wurden 2018 und 2019 insgesamt rund 170 Untersuchungen mittels real-time PCR auf WNV-Genom durchgeführt. Es handelte sich dabei überwiegend um Proben von Zoo- und Wildvögeln. In 8 Fällen waren es Proben von klinisch auffälligen Pferden.

In keiner der untersuchten Proben wurde West-Nil-Virus nachgewiesen.