Blauzungenkrankheit – neue Regelungen für den Handel

Das seit Dezember 2018 in Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und dem Saarland nachgewiesene Blauzungenvirus (BTV) führt durch die Einrichtung von Restriktionsgebieten auch in Hessen zu Handelseinschränkungen, sofern die Tiere nicht geimpft und/oder auf Vorhandensein des BT-Virus-Genoms untersucht wurden. Hintergründe zum Virus und der Erkrankung, den Gründen und aktuell geltenden rechtlichen Grundlagen für die Restriktionen finden Sie hier.

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Rind wird gegen Blauzungenkrankheit geimpft

Teile von Hessen sind Restriktionsgebiet

Als Reaktion auf die Virusnachweise wurden Restriktions-/Sperrgebiete ausgewiesen. Dabei müssen um einzelne Ausbruchsbetriebe Sperrgebiete mit dem Radius von mindestens 150 km eingerichtet werden, sodass die drei von Ausbrüchen betroffenen Bundesländer vollständig zum Restriktionsgebiet erklärt wurden. Mehr als die Hälfte der Fläche von Hessen, sowie Teile von Nordrhein-Westfalen und Bayern sind ebenfalls von den Regelungen betroffen. Der Handel und die Verbringung von BTV-empfänglichen Tieren aus Sperrgebieten in BTV-freie Gebiete sind eingeschränkt, um die Verbreitung des Erregers möglichst zu begrenzen. Sie werden durch die Durchführungs-Verordnung hinsichtlich der Bekämpfung, Überwachung und Beobachtung der Blauzungenkrankheit (VO1266/2007) geregelt.

Neue Regelung ab dem 18.05.2019

Grundsätzlich gilt dabei für den innerstaatlichen Handel, dass Tiere aus Sperrgebieten in BTV-freie Gebiete ungehindert verbracht werden dürfen, wenn sie über 90 Tage alt und wirksam gegen den zirkulierenden BTV-Stamm geimpft sind. Kälber die unter 90 Tage alt sind, müssen Kolostrum von geimpften Müttern aufgenommen haben. Impfungen sind in der HIT-Datenbank zu dokumentieren und die Kolostrumgabe ist über eine Tierhaltererklärung zu bestätigen.

Die vereinfachten Verbringungsregeln, die seit Anfang des Jahres bis 17.05.2019 gültig waren, sind damit ab dem 18.05.2019 außer Kraft gesetzt. D.h. Tiere, die nicht geimpft sind bzw. kein Kolostrum von geimpften Müttern erhalten haben, können trotz einer durchgeführten Untersuchung auf BTV- Genom und einer Repellent-Behandlung nicht mehr aus dem Sperrgebiet verbracht werden.

Über den 17.05.2019 hinaus gelten allerdings gesonderte Regelungen, die ein Verbringen von Kälbern unter 90 Tagen in die Niederlande erlauben. Dadurch wird ermöglicht, auch Kälber von nicht geimpften Muttertieren zu verbringen, sofern die Kälber selbst vor dem Transport mit negativem Ergebnis auf Blauzungenvirus untersucht und mit einem Repellent zum Schutz vor Mückenstichen behandelt wurden. Grundlage für diese Ausnahmeregelung ist das mit den Niederlanden ausgehandelte Memorandum. Seit dem 23.05.2019 gibt es nun auch noch ein Memorandum mit Italien (Link s.u.). Es ist zu erwarten, dass in Kürze auch Sonderregelungen zum Transport nach Spanien vereinbart werden.

Zum Zweck solcher Transportuntersuchungen wurden im hessischen Landeslabor seit Ende Dezember bis zum 23.05.2019 insgesamt ca. 8000 Proben auf das Virusgenom der Blauzungenkrankheit mittels PCR untersucht.

Was ist die Ursache der Blauzungenkrankheit?

Ursache der Blauzungenkrankheit ist das Bluetongue-Virus (BTV) aus dem Genus Orbivirus der Familie Reoviridae. Bisher wurden 27 Varianten (Serotypen)  dieser Virusspezies beschrieben. Die Serotypen BTV 25-27 werden dabei als „atypische“ BTV bezeichnet. Im Gegensatz zu den „klassischen“ BTV-Stämmen, welche ausschließlich durch stechende Insekten (Culicoides-Mücken) übertragen werden, können sich Tiere auch durch Kontakt untereinander mit atypischen BTV-Stämmen anstecken.

Welche Tiere sind empfänglich für das Virus?

Empfänglich für BTV-Infektionen sind allgemein Wiederkäuer (Rinder, Schafe, Ziegen, Hirsche, Rehe), aber auch Kameliden. Atypische BTV-Stämme verursachen soweit bekannt keine klinischen Symptome. Bei Infektionen mit den Serotypen 1-24 kann es zu Erkrankungen unterschiedlicher Schwere kommen. Typisch sind Fieber sowie Schwellungen und Rötungen im Bereich der Augen, der Nase, des Mauls, der Füße und/oder der Geschlechtsorgane. Teilweise sind Haut- oder Schleimhautablösungen zu beobachten. Für den Menschen sind alle BTV-Serotypen ungefährlich.

Zwischen Sommer 2006 und Herbst 2009 waren in Westeuropa (einschließlich Deutschland) mehrere Ausbrüche der Blauzungenkrankheit, v.a. Serotyp 8, zu verzeichnen. Daher wurden in der Folgezeit Monitoring-Untersuchungen bei empfänglichen Tieren eingeführt, um die BT-Freiheit Deutschlands laufend zu kontrollieren und im Falle eines erneuten Auftretens der Seuche schnell reagieren zu können. Diese jährlichen Untersuchungen sind gemäß einem Stichprobenplan auch seit 2010 in Hessen erforderlich.

Wo ist die Krankheit in Deutschland aufgetreten?

Im Rahmen solcher Monitoring-Untersuchungen wurde am 12. Dezember 2018 in einem Rinderhaltungsbetrieb im Kreis Rastatt (Baden-Württemberg) ein Ausbruch der Blauzungenkrankheit (Bluetongue BT) amtlich festgestellt. Damit ist diese anzeigepflichtige Tierseuche erstmals seit 2009 wieder in Deutschland aufgetreten. In der Folgezeit kam es in Baden-Württemberg sowie wenige Wochen später auch in Rheinland-Pfalz sowie dem Saarland zu weiteren Ausbruchsnachweisen. Zum Stichtag 08.05.2019 waren insgesamt 52 Fälle in Baden-Württemberg, 7 Fälle in Rheinland-Pfalz und drei Fälle im Saarland gemeldet. Der bisher der hessischen Grenze am nächsten gelegene Ausbruch wurde in Bad Kreuznach (Rheinland-Pfalz) registriert.