Afrikanische Schweinepest in Belgien nachgewiesen - 60 Kilometer von deutscher Grenze entfernt

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Wildschwein
Wildschwein

Landeslabor: Verhütung ist wichtigste Maßnahme

Bei der afrikanischen Schweinepest (ASP) handelt es sich um eine fieberhafte, oft mit Blutungsneigung einhergehende Erkrankung der Schweine und Warzenschweine sowie der europäischen und amerikanischen Wildschweine. Die Erkrankung betrifft alle Altersgruppen vorgenannter Schweinearten.  Abhängig von der Virulenz des Virus (Fähigkeit krankhafte Veränderungen im Organismus hervorzurufen) und dem allgemeinen Gesundheitszustand des infizierten (Wild-)Schweins zum Zeitpunkt der Infektion werden extrem schnelle (perakute) aber auch chronische Verläufe beobachtet. Die klinischen Symptome sind von den Symptomen der Klassischen Schweinepest nicht zu unterscheiden. Menschen können sich nicht infizieren, aber durch Verschleppung der Viren zur Ausbreitung der Krankheit beitragen. Hier spielt die unsachgemäße Entsorgung von virushaltigen Lebensmitteln eine wichtige Rolle (siehe unten). Ein Ausbruch der ASP in Deutschland hätte verheerende Folgen und wäre mit enormen wirtschaftlichen Konsequenzen verbunden. Da eine Impfung nicht verfügbar ist und auch in absehbarer Zeit nicht verfügbar sein wird, stellt die Verhütung der Seucheneinschleppung die wichtigste Maßnahme dar.

Woher kommt die Seuche?

Erstmals wurde die Afrikanische Schweinepest im Jahr 1921 in Kenia beschrieben. Sie ist in Afrika, besonders südlich der Sahara bei Warzenschweinen weit verbreitet. Diese Tiere erkranken selbst nicht und stellen das natürliche Erregerreservoir dar.

In Europa traten in der Vergangenheit sporadische Ausbrüche in Frankreich (1974), Belgien (1985), den Niederlanden (1986), Spanien (1994) und Portugal (1999) auf. Bis auf eine Ausnahme konnten alle europäischen Ausbrüche bisher erfolgreich bekämpft werden: Im Jahr 1978 trat diese Tierseuche erstmals in Sardinien (Italien) auf und konnte dort bis heute nicht ausgerottet werden.

Zu einem neuen Seuchenzug der ASP außerhalb Afrikas kam es im Jahr 2007 im Kaukasusgebiet und in Russland. Offensichtlich durch Verfütterung unsachgemäß behandelter Speiseabfälle aus dem internationalen Schiffsverkehr wurde im Juni 2007 in Georgien ein Seuchenausbruch verursacht. Von dort breitete sich die Afrikanische Schweinepest über Armenien (seit 2007) und Aserbaidschan (2008) weiter aus. Bis Ende 2012 waren mehr als 400 Ausbrüche bei Haus-und Wildschweinen in vielen Regionen der Russischen Föderation (europäischer Teil) zu verzeichnen. Über die Ukraine (Juli 2012) und Weißrussland (Juni 2013) erreichte die ASP im Jahr 2014 Litauen und damit die EU. Im weiteren Verlauf breitete sich die Seuche innerhalb der EU weiter aus und erfasste   Polen, Lettland und Estland. Neben zahlreichen Wildschweinen waren im Rahmen dieser Seuchenzüge auch Hausschweinebestände betroffen, wobei es primär in Kleinhaltungen mit unzureichend oder nicht umgesetzten Biosicherheitsmaßnahmen zu einem Eintrag des ASP-Virus kam.

Die Tierseuche verbreitet sich aktuell von Ost- nach Westeuropa: Im Juni 2017 wurden erste Fälle von ASP bei Wildschweinen aus der Tschechischen Republik in der Grenzregion zur Slowakei gemeldet. Damit hatte sich die ASP sprungartig etwa 400 km nach Westen ausgebreitet. Zusätzlich zeigte Polen im Juni und Juli 2017 neue Fälle in Hausschweinehaltungen an. Weitere Fälle traten 2017 und 2018 bei Wildschweinen in Ungarn, Bulgarien und Rumänien auf. In Bulgarien wurde 2018 auch ein Ausbruch bei Hauschweinen gemeldet.

Einen erneuten großen Sprung nach Westen machte der Seuchenzug im September 2018: 60 km von der deutschen Grenze im Dreiländereck Belgien-Frankreich-Luxemburg wurde am 13.09.2018 ein erstes ASP-infiziertes Wildschwein gefunden – bis 05.11.2018 wurden in sechs belgischen Gemeinden 155 ASP-positive Wildschweine gezählt.

Zusätzlich zu dem europäischen Geschehen konnte im August 2018 die ASP auch in China nachgewiesen werden. Bisher wurden mehr als 40 Ausbrüche in Schweinebeständen in verschiedenen chinesischen Provinzen an die OIE (Office International des Epizooties (frz.) = Weltorganisation für Tiergesundheit) gemeldet.

Die Situation in Hessen

Deutschland gehört weltweit zu den Ländern mit der höchsten Wildschweinedichte. Neben Rheinland- Pfalz zählt Hessen zu den waldreichsten Bundesländern. Gemessen an den Schwarzwild-Jagdstrecken der vergangenen Jahre gehört Hessen neben Baden-Württemberg und Bayern zu den Bundesländern mit den höchsten Wildschweinezahlen. Auch Hessen wird aufgrund seiner geographischen Lage von einem Netz von Fernstraßen sowohl in Ost-West als auch in Nord-Süd-Richtung durchzogen. Mit dem Rhein-Main-Flughafen in Frankfurt ist in Hessen ein enormer internationaler Personen und Warenverkehr verbunden. So haben stichprobenartige Kontrollen ergeben, dass in der Vergangenheit bereits versucht wurde, illegal Schweinefleischprodukte auch aus von ASP-betroffenen Ländern einzuführen.

Welche präventiven Maßnahmen wurden in Hessen getroffen?

Die Vorgehensweise zur Bekämpfung der Afrikanischen Schweinepest nach einem möglichen Ausbruch ist in Deutschland in der "Schweinepest-Verordnung" geregelt (Rechtsvorschriften zur Afrikanischen Schweinepest). Neben der Tötung und unschädlichen Beseitigung aller Schweine des betroffenen Betriebes sowie seiner Kontaktbetriebe müssen großflächig Schutzzonen mit strengsten Handels- und Transportrestriktionen eingerichtet werden.

Bereits im Oktober 2008 wurde in Hessen ein Tierseuchenfrühwarnsystem eingerichtet, in dessen Rahmen Pflichtuntersuchungen erfolgen für den Fall, dass in einem Hausschweinebestand plötzlich gehäuft Todesfälle oder Fieber über 40,5°C unklarer Ursache festgestellt werden sollten. Dazu müssen entweder eine repräsentative Zahl an Blutproben oder verendete Tiere aus dem betreffenden Bestand untersucht werden. Diese Maßnahmen sollen den Eintrag einer Tierseuche in den Bestand frühzeitig erkennbar machen und so auch einer Verschleppung zwischen verschiedenen Beständen entgegenwirken.

Zusätzlich wird zur Früherkennung eines möglichen Tierseuchen-Eintrags nach Hessen ein flächendeckendes Monitoring bei Wildschweinen durchgeführt, welches auch die Untersuchung auf die Afrikanische Schweinepest miteinschließt.

Alle diesbezüglichen Untersuchungen werden in der Abteilung Veterinärmedizin des Hessischen Landeslabors in Gießen durchgeführt. Dort wurden 2016 ca. 1800 Proben (überwiegend Blutproben) untersucht, 2017 waren es etwa 4300. Im Jahr 2018 wurden bis Ende November bereits knapp 4000 Proben von Wildschweinen gezählt. Weitere Proben wurden bei der ebenfalls im Landeslabor durchgeführten Obduktion von toten Wild- und Hausschweinen entnommen und mittels PCR (Polymerase-Kettenreaktion) auf das ASP-Virus-Genom untersucht. Bisher alle mit negativem Ergebnis.

Hintergrund

Der Erreger der ASP

Der Erreger ist das Afrikanische Schweinepest-Virus (ASPV), das zur Familie der Asfarviridae, Genus Asfivirus und somit zu der Gruppe der behüllten DNA-Viren gehört. Das Virus ist derzeit der einzige Vertreter der Familie Asfarviridae. Es sind derzeit drei Subtypen bekannt. Als Erregerreservoir gelten vor allem Warzen- und Buschschweine, die natürlicherweise überwiegend südlich der Sahara vorkommen und die häufig selbst klinisch nicht erkranken. Ein weiteres Virusreservoir stellen so genannte Lederzecken (Ornithodorus moubata) dar. Ähnlich der Klassischen Schweinepest (Gattung Pestivirus) sind nur Schweine, im Falle der afrikanischen Schweinepest zusätzlich Zecken für das Virus empfänglich. Sowohl für den Menschen als auch für andere Haustierarten ist der Erreger nicht gefährlich. Ein gesundheitliches Risiko für den Verbraucher ist selbst beim Verzehr infizierten Fleisches nicht gegeben.

Krankheitserscheinungen der ASP

Die hochvirulenten Viren verursachen bei den infizierten Tieren nach etwa 2-7 Tagen hohes Fieber, Appetitverlust und typische Blutungen in der Haut und an den inneren Organen. Bereits nach 7-10 Tagen tritt bei nahezu 100% der infizierten Schweine der Tod ein. Subakute und chronische Verlaufsformen findet man überwiegend in Gebieten mit endemischem Vorkommen  der Erkrankung (Afrika). Die ASP ist eine OIE-gelistet Tierseuche. Krankheitsausbrüche unterliegen der obligatorischen OIE-Meldepflicht. In Deutschland unterliegt die seuchenhafte Erkrankung außerdem der Anzeigepflicht.

Die Übertragung des ASP-Virus

Bei infizierten Tieren kann das Virus sowohl im Blut als auch im Gewebe gefunden werden und wird somit mit allen Ausscheidungen - z.B. Speichel, Urin, Kot, Sperma -  ab dem 2.-4- Tag nach der Infektion freigesetzt. Neben den oben genannten Lederzecken, die das Virus ebenfalls übertragen können (in Deutschland nicht relevant), können sich nicht infizierte Tiere durch direkten Tierkontakt zu bereits infizierten Tieren - beispielsweise im Stall, bei Transporten, in Viehsammelstellen, auf Viehmärkten sowie bei offenen Haltungsformen auch durch den Kontakt zwischen Wild- und Hausschweinen bzw. umgekehrt - anstecken. Insbesondere das Blut infizierter Schweine gilt als höchst effiziente Quelle einer Ansteckung. Virusreservoire sind chronisch infizierte Schweine, die das Virus über Jahre beherbergen, ohne selbst Krankheitserscheinungen zu zeigen. Besonders in Afrika, also einer Region, wo die Erkrankung endemisch ist, spielt hier das Warzenschwein eine bedeutende Rolle, das trotz der Infektion klinisch nicht erkrankt und als natürliches Reservoir angesehen wird.

Auch in Abwesenheit erkrankter Schweine besteht die Möglichkeit der indirekten Virusübertragung, z.B. durch kontaminierte Fahrzeuge, Geräte, virusbehaftete Kleidung inkl. Schuhwerk oder Futtermittel. Auch der Mensch kann so nach Kontakt zu infizierten Tieren z. B. über ungewaschene Hände und die Kleidung das Virus übertragen.

Bedingt durch die Anwesenheit des Virus im Gewebe infizierter Schweine, kann der Erreger außerdem in nicht durcherhitzten Schweinefleischerzeugnissen bzw. –zubereitungen enthalten sein. Da das Virus der Afrikanischen Schweinepest in solchen Produkten monatelang infektionsfähig bleiben kann, ist auf diesem Weg eine Ausbreitung sowohl über große Zeiträume als auch Distanzen möglich und wurde bereits bei früheren Seuchengeschehen immer wieder beobachtet

Die direkte Erregerübertragung auf Schweine, die solche Schweinefleischerzeugnisse bzw. –zubereitungen, z.B. in Form von Speise- oder Schlachtabfällen aufnehmen, hat für die Weiterverbreitung der Erkrankung eine große Bedeutung. Die meisten Ausbrüche im europäischen Raum waren in der Vergangenheit auf eine solche Verschleppung des Virus über Speiseabfälle im weltweiten Reiseverkehr zurückzuführen. Konkret geht man davon aus, dass die Ausbrüche in den Wildschweinepopulationen der Tschechischen Republik, Ungarn und Belgien auf diese Art und Weise verursacht wurden. Experten sehen diesen Übertragungsweg auch als mögliche Quelle für theoretisch denkbare Einschleppung der Afrikanischen Schweinepest nach Deutschland. Eine besondere Gefahr wird hier für Wildschweine gesehen, die z.B. aus Mülltonnen und Papierkörben an Autobahnraststätten und am Straßenrand größerer Verkehrswege an Nahrungsmittel aus Ländern gelangen könnten, in denen Schweinepest vorkommt. Das „weggeworfene Wurstbrot“ wird in diesem Zusammenhang immer wieder als mögliche Infektionsquelle für Wildschweine genannt.

Aber auch über Transportfahrzeuge und Personen, die aus betroffenen Regionen zurückkehren und hier mit Schweinen in Kontakt kommen, könnte das Virus weiter verbreitet werden. Ein weiteres Problem stellt die illegale Einfuhr tierischer Nebenprodukte, wie beispielsweise Jagdtrophäen und Felle, dar.

Die Seuchenbekämpfung

Die Verhütung der Einschleppung ist die wichtigste Maßnahme. Sie basiert im Wesentlichen auf Einfuhrverboten, um sicherzustellen, dass weder infizierte Schweine, noch kontaminiertes Fleisch bzw. die daraus hergestellten Produkte aus von der Seuche betroffenen Ländern eingeführt werden. Im Inland kommt der Einhaltung strikter Hygienerichtlinien in der Schweinehaltung eine bedeutende Rolle zu. Die Einhaltung aller empfohlenen Biosicherheitsmaßnahmen garantiert den Schweinehaltern einen ausreichenden Schutz der von ihnen gehaltenen Hausschweine. In diesem Zusammenhang  weist das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft erneut auf die äußerst wichtige strikte Einhaltung der Biosicherheitsmaßnahmen in Schweine-haltenden Betrieben hin. Die Vorgaben der Schweinehaltungshygieneverordnung müssen zwingend eingehalten werden.

Daneben stellt die Früherkennung eines möglichen Seucheneintrages eine wichtige Maßnahme dar. Die beobachtende Überwachung der Wildschweinepopulationen sowie die zeitnahe Meldung aller Vorkommnisse - wie die Zunahme der Zahlen gefallener Wildschweine - sowie die unverzügliche Einsendungen tot aufgefundener oder krank angesprochener Tiere sind in diesem Zusammenhang ebenfalls wichtig. Hier sind die Veterinärbehörden auf die Unterstützung durch die Jäger, Tierhalter und praktizierenden Tierärzte angewiesen

Die Jagdausübungsberechtigten werden aufgefordert, verendet aufgefundene Wildschweine den jeweils zuständigen Behörde zu melden, um eine entsprechende Untersuchung sicherzustellen und umgehend einzuleiten

In einer Pressemitteilung vom BMEL vom 13.09.2018 heißt es:

ASP stelle eine große Herausforderung für die Staaten der Europäischen Union dar, so das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft. Deutschland setzte bereits seit Längerem auf Prävention. Vergangene Woche wurde im Kabinett eine Änderung des Tiergesundheitsgesetzes verabschiedet, um im Fall eines Ausbruches schnell und gezielt handeln zu können.

Es handelt sich dabei insbesondere um folgende Maßnahmen:

  • Maßnahmen zur Absperrung eines von der zuständigen Behörde zu bestimmenden Gebietes, z. B. durch Umzäunung,
  • Beschränkung des Personen- oder Fahrzeugverkehrs für bestimmte Gebiete,
  • Beschränkungen und Verbote der Nutzung von landwirtschaftlichen Flächen, beispielsweise ein Ernteverbot mit dem Ziel, eine Auswanderung von Wildschweinen zu vermeiden,
  • Anordnung einer vermehrten Fallwildsuche, um die Infektionsmöglichkeiten gesunder Wildschweine zu minimieren.
  • Durchführung einer verstärkten Bejagung durch andere Personen als den Jagdausübungsberechtigten.

Stand: Dezember 2018

Pressemitteilung des Friedrich-Löffler-Instituts

Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) und Deutscher Jagdverband (DJV) veröffentlichen Empfehlungen zum Umgang mit der Tierseuche. Für Früherkennung und möglichen Seuchenfall sollten Behörden, Jäger und Landwirte eng zusammenarbeiten. Zur Pressemitteilung