Lage der Staupeinfektionen bei Wildtieren in Hessen – April 2016

Nach dem gehäuften Nachweis von Staupevirusinfektionen vor allem bei Waschbären aus Nordhessen ab Ende 2013 werden regelmäßig Wildtiere (Waschbären, Füchse, Marder, Dachse usw.) aus allen hessischen Landkreisen am Landesbetrieb Hessisches Landeslabor (LHL) auf Staupe untersucht.

Waschbär iLUXimage - Fotolia.com_.jpg

Waschbär
Waschbär

Die Staupe (engl.: Distemper) ist eine virusbedingte, hochansteckende Infektionskrankheit, die vor allem bei Hundeartigen (Hunde, Füchse, Marder, Waschbären, Seehunden, Bären, Stinktieren, Kleinbären) auftreten kann. Menschen sind nicht betroffen.

Typische Symptome dieser Erkrankung sind Zeichen einer Allgemeininfektion wie hohes Fieber und Abgeschlagenheit. In erster Linie werden Schleimhäute von dem Virus befallen. Abhängig von den spezifisch betroffenen Organsystemen können unterschiedliche Verlaufsformen mit Durchfall, Erbrechen oder gegebenenfalls Symptome einer Atemwegsinfektion, häufig begleitet von einer starken Bindehautentzündung, beobachtet werden. Bei einem großen Teil der Fälle kommt es auch zu entzündlichen Prozessen im zentralen Nervensystem, was zu Verhaltensauffälligkeiten der Tiere führt.
Das Staupevirus ist weltweit verbreitet. Eine enge verwandtschaftliche Beziehung besteht zum Masernvirus des Menschen und zum Rinderpestvirus. Eine besondere Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit erlangte das ebenfalls eng verwandte Seehund-Staupevirus, das Ende der 1980er Jahre ein massenhaftes Sterben von Seehunden an der Nordseeküste verursachte.

Das Virus ist gegenüber allgemeinen Umwelteinflüssen wenig stabil, so dass es außerhalb des lebenden Organismus nur wenige Tage ansteckend bleibt. Dennoch ist der Erreger gegenüber Trockenheit und tiefen Temperaturen vergleichsweise widerstandsfähig. Gängige Desinfektionsmittel inaktivieren das Virus sehr schnell.

Der Nachweis einer Staupeerkrankung gestaltet sich am lebenden Tier schwierig. Werden entsprechende Symptome festgestellt, kann allenfalls der Verdacht geäußert werden. Der Nachweis von Antikörpern kann weitere Hinweise geben, wobei diese Tests bei geimpften Tieren selbstverständlich nicht einsetzbar sind.

Bei toten Tieren gibt die Obduktion näheren Aufschluss über die Erkrankung. Durch die feingewebliche (histologische) Untersuchung lässt sich eine Staupeerkrankung mit gewisser Sicherheit - Nachweis von Einschlusskörperchen (siehe Abb. 1) diagnostizieren. Der sicherste Nachweis gelingt mittels moderner molekularbiologischer Untersuchungsverfahren. In der Veterinärabteilung des LHL steht zu diesem Zweck seit September 2013 eine geeignete Realtime-PCR zur Verfügung.

Übergangsepithel der Harnblase eines Fuchses
Abb. 1: Zahlreiche eosinophile intrazytoplasmatische Einschlusskörperchen (Pfeil) im Übergangsepithel der Harnblase eines Fuchses. Basophile Zellkerne sind mit Pfeilspitzen gekennzeichnet. Präparat aus der Diagnostik des Hessischen Landeslabors.

Neben nicht geimpften Artgenossen kommen als Infektionsquellen für Haushunde oder andere empfängliche Haustierarten infizierte Wildtiere (v.a. Waschbären, Füchse und Marder) in Betracht.
Am LHL werden im Rahmen der Routinediagnostik überwiegend erkrankte Wildtiere untersucht. Eine aktuelle Übersicht über die in Hessen durchgeführten Untersuchungen aus den Jahren 2014 und 2015 gibt Abb. 2a und 2b.

Untersuchungen von Wildtieren auf Canines Distemper Virus (CDV, Staupe)  am LHL 2014
Abb. 2a: Untersuchungen von Wildtieren auf Canines Distemper Virus (CDV, Staupe) am LHL 2014
Untersuchungen von Wildtieren auf Canines Distemper Virus (CDV, Staupe)  am LHL 2015
Abb. 2b: Untersuchungen von Wildtieren auf Canines Distemper Virus (CDV, Staupe) am LHL 2015

Eine Zusammenstellung der auf Staupe untersuchten Wildtiere nach Landkreisen finden Sie in der Datei „2014 und 2015 Staupe bei Wildtieren nach Landkreisen“.

Die Erkrankung konnte 2014 in Hessen insbesondere in Nordhessen nachgewiesen werden (s. auch Abb 3). 2015 stieg die Probenanzahl in einigen anderen Landkreisen an und es wurden auch dort infizierte Wildtiere gefunden. Insgesamt wurden in den Jahren 2014 und 2015 im LHL 750 Proben von hessischen Wildtieren (Waschbär, Fuchs, Marder und Dachs) auf das Staupevirus untersucht. Davon konnte das Virus in 344 Proben (46%) gefunden werden.

Verteilung der positiven Staupe-Ergebnisse in Hessen 2014
Abb. 3: Verteilung der positiven Staupe-Ergebnisse in Hessen 2014

Abb. 4 zeigt die kartographische Darstellung der Untersuchungsergebnisse aus dem Jahr 2015. Hier erkennt man deutlich das Auftreten von Staupeinfektionen nicht nur in den nordhessischen Kreisen Stadt Kassel und Land Kassel sondern auch in osthessischen Landkreisen (z.B.: Main-Kinzig-Kreis, Landkreis Fulda, Vogelsbergkreis). Vereinzelt positive Wildtiere gibt es im gesamten Landesgebiet, wobei es sich in den südlicheren Landkreisen hauptsächlich um Füchse handelt. In Nordhessen sind in erster Linie Waschbären betroffen.

Verteilung der positiven Staupe-Ergebnisse in Hessen 2015
Abb. 4: Verteilung der positiven Staupe-Ergebnisse in Hessen 2015

Bei Haustieren stellt die Impfung die wichtigste Prophylaxemaßnahme dar. Da bei Wildtieren in vielen hessischen Landkreisen das Staupevirus mehr oder weniger stark verbreitet ist, empfiehlt es sich dringend den Impfschutz aufrecht zu erhalten (insbesondere bei jagdlich geführten Hunden). Wichtig im Zusammenhang mit der Staupeinfektion ist noch darauf hin zu weisen, dass zentralnervöse Störungen bei Wildtieren prinzipiell auch Hinweis auf eine Tollwut- Infektion sein können. Deutschland und damit auch Hessen sind allerdings seit 2008 Tollwut-frei.
Dennoch sollten Wildtiere mit zentralnervösen Symptomen immer auch auf Tollwut untersucht werden, um den Freiheits-Status ständig zu kontrollieren. Daher ist es wichtig, dass auffällig erkrankte Wildtiere generell zur Untersuchung an das LHL (LINK zu den Anfahrtsskizzen STO Kassel und STO Giessen) gebracht werden sollten.