Die RHD (Rabbit Haemorrhagic Disease)

Seit 1980 ist eine Erkrankung bei Kaninchen bekannt, die RHD (Rabbit Haemorrhagic Disease) genannt wurde und durch ein Virus (das RHD-Virus- ein Calicivirus) verursacht wird. Unter Kaninchenhaltern ist die Erkrankung besser auch als „Chinaseuche“ bekannt, da das „klassische“ RHD-Virus erstmals in China nachgewiesen wurde.

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Kaninchen
Kaninchen

Die Übertragung des für den Menschen ungefährlichen RHD-Virus auf nicht infizierte Tiere erfolgt in erster Linie durch den direkten Kontakt mit infizierten Tieren. Jedoch ist auch indirekt über Personen, Futter, Gerätschaften und auch Insekten eine Virusübertragung möglich. Der Erreger ist sehr widerstandsfähig gegenüber Umwelteinflüssen und überlebt daher auch außerhalb eines infizierten Wirtsorganismus sehr lange. An der Virusverbreitung könnten auch sogenannte symptomlose Virusausscheider beteiligt sein, die das Virus verbreiten, ohne selbst zu erkranken.

Normalerweise entwickelt sich die Erkrankung äußerst schnell (perakuter Krankheitsverlauf). „Gestern noch völlig gesund und unauffällig und am nächsten Morgen plötzlich tot“. Das sind die typischen Anamnesen (Vorberichte), die der Veterinärpathologe von Kaninchenhaltern zu hören bekommt. Können noch Symptome beobachtet werden, kommt es sehr plötzlich zu hohem Fieber und zu blutigem Nasenausfluss, jedoch nur in ca. 10-20 % der Fälle. Ursache ist eine allgemeine (generalisierte) Gerinnungsstörung, die durch eine Leberentzündung (nekrotisierende Hepatitis) bedingt ist. In der Regel führt die Erkrankung bereits nach 24-72 Stunden zum Tod des betroffenen Tieres. Langandauernde (chronische) Krankheitsverläufe sind äußert selten.

Bei der Obduktion findet der Pathologe, abhängig vom krankheitsauslösenden Virusstamm, meist mehr oder weniger typische Veränderungen der inneren Organe. Teilweise ist schaumig-blutiger Nasenausfluss vorhanden.

In Deutschland wird die RHD seit 1988 festgestellt. Ein entsprechender Impfstoff war bald darauf verfügbar.

Seit 2010 in Frankreich, später auch auf der Iberischen Halbinsel und in Italien, wurde eine neue Virusvariante festgestellt, die trotz Impfung eine hohe Todesrate bis zu 50% verursachte. Diese neue, als RHDV-2 bezeichnete Virusvariante wurde in 2013 erstmals auch in Deutschland nachgewiesen. Neben den bereits genannten Ländern gibt es RHDV-2-Fälle auch im Vereinigten Königreich, Dänemark und in den Niederlanden. Im Gegensatz zur „klassischen“ RHD sind auch Feldhasen gegenüber der neuen Virusvariante empfänglich, die dann zusätzlich zur Virusausbreitung beitragen.

In der Veterinärabteilung des LHL kann die Erkrankung nachgewiesen werden. Durch die im Fachgebiet Pathologie durchgeführte Obduktion und die typischen Organveränderungen ergeben sich meist bereits sichere Hinweise auf die Erkrankung. Das Fachgebiet Virologie führt zusätzlich einen Erregergenomnachweis mittels Polymerase Kettenreaktion durch. Hierbei lassen sich auch die beiden in Frage kommenden RHD-Virusvarianten unterscheiden.

Ausschließlich gegen die neue Virusvariante wirksame Impfstoffe mit einer vorläufigen Marktzulassung gibt es bisher nur in Frankreich und Spanien. Diese Impfstoffe wirken primär auf die RHDV-2 Variante. Eine gewisse Reaktivität gegenüber der „klassischen“ RHD-Variante soll auch vorhanden sein. Ob diese allerdings ausreicht, um Schutz auch gegenüber klassischen RHD-Virusstämmen zu vermitteln, ist aktuell noch unbekannt. Seit kurzem ist allerdings in Frankreich ein Impfstoff zugelassen, der sowohl eine klassische, als auch eine RHDV-2-Komponente enthält. Weitere innovative Impfstoffkandidaten befinden sich derzeit in Entwicklung. Bezüglich deren Zulassung, der Verfügbarkeit und des generellen Impfstoffeinsatzes in Deutschland wird auf eine Stellungnahme zur RHDV-2 Impfung der Ständigen Impfkommission (StiKO Vet) am Friedrich Löffler Institut (FLI) verwiesen

Stand: August 2016