Aktuelle Lage der Staupeinfektionen bei Wildtieren in Hessen April 2017

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Waschbär
Waschbär

Ende 2013 wurde am Landesbetrieb Hessisches Landeslabor (LHL) erstmals eine Häufung von Staupevirus-Infektionen v.a. bei Wachbären aus Nordhessen nachgewiesen. Seitdem werden erlegte oder tot gefundene Waschbären, Füchse und andere Hundeartige, welche dem LHL zur Untersuchung gelangen routinemäßig auf Staupe getestet.

Abb.1 zeigt die geographische Herkunft der in Hessen untersuchten Tiere für die Jahre 2014 bis 2016. 2014 und 2015 waren die Gesamtzahlen an eingesandten Proben weitgehend konstant (2014: 383; 2015: 367). 2016 konnte ein gewisser Anstieg in der Anzahl der untersuchten Proben verzeichnet werden (431). Von den 2016 insgesamt 431 untersuchten Proben stammten 247 von Füchsen (davon 79 positiv), 168 von Waschbären (davon 111 positiv), 10 von Mardern und 6 von Dachsen (davon jeweils 2 positiv).

Geographische Herkunft der auf Staupe untersuchten Proben
Abb. 1: Geographische Herkunft der auf Staupe untersuchten Proben Blaue Punkt in der Karte repräsentieren Staupe-negative Proben; rote Punkte repräsentieren Staupe-positive Proben.

Die Grafiken lassen erkennen, dass Staupeinfektionen vor Allem in Nord- und Mittelhessen, sowie in den nördlichen Teilen Südhessens nachgewiesen werden

(Lahn-Dill-Kreis, Marburg-Biedenkopf, Vogelsbergkreis, Gießen , Limburg-Weilburg, Waldeck-Frankenberg, Schwalm-Eder-Kreis, Kassel (Stadt), Kassel (Land), Werra-Meißner-Kreis, Hersfeld-Rotenburg, Fulda, Darmstadt-Dieburg, Darmstadt, Odenwaldkreis, Wetteraukreis, Main-Kinzig-Kreis). Vereinzelt positive Wildtiere gibt es aber im gesamten Landesgebiet. In den südlicheren Landkreisen werden hauptsächlich Füchse positiv getestet; in Nordhessen sind in erster Linie Waschbären betroffen. Zu beachten ist, dass die beobachtete Verteilung der Nachweise teilweise stark von der Anzahl der eingesandten Proben je Region beeinflusst wird.

Die Hundestaupe (engl.: canine Distemper) ist eine weltweit verbreitete, hochansteckende, virusbedingte Infektionskrankheit, die bei Hundeartigen (Hunde, Füchse, Marder, Waschbären, Bären, Stinktieren, Kleinbären) auftreten kann. Ein nahe verwandtes Virus kann auch Robben und Seelöwen infizieren (Robbenstaupevirus, phocine/seal distemper virus). Menschen sind nicht betroffen. Die Übertragung der Hundestaupe findet v.a. durch direkten Kontakt mit infizierten Tieren statt, aber auch in der Umwelt bleibt das Virus – z.B. enthalten in Ausscheidungen  - einige Tage ansteckend. Gängige Desinfektionsmittel inaktivieren das Virus aber schnell.

Der Nachweis der Infektion erfolgt am LHL mittels molekularbiologischer Methoden (real-time PCR), mit deren Hilfe genetisches Material des Virus im Gewebe infizierter Tiere detektiert werden kann. Feingewebliche (histologische) Untersuchungen können die Diagnose einer Staupe-Infektion durch den Nachweis von Einschlusskörperchen in Virus-infizierten Zellen (siehe Abb. 2) zusätzlich unterstützen.

Histologie Blase
Einschlusskörperchen im Harnblasenepithel eines Fuchses

Die eindeutige Diagnose am lebenden Tier ist schwierig. Die klinischen Symptome sind häufig Zeichen einer Allgemeininfektion wie sie auch von anderen Erregern ausgelöst werden können. Der Nachweis von Antikörpern gegen das Staupe-Virus kann weitere Hinweise geben, wobei diese Tests bei geimpften Tieren nicht einsetzbar sind, da Impfantikörper nicht von Antikörpern nach einer echten Infektion unterschieden werden können. Auch in sehr frühen Phasen der Erkrankung sind solche Tests nicht aussagekräftig, da der Organismus einige Tage Zeit benötigt, um Antikörper zu bilden. Der Erreger selbst lässt sich nur während eines begrenzten Zeitraums nach Infektion im Blut nachweisen.

Bei erkrankten Tieren treten i.d.R. hohes Fieber und Abgeschlagenheit auf, evtl. verbunden mit Durchfall, Erbrechen, Bindehautentzündung oder Symptomen einer Atemwegsinfektion. In Fällen, in denen das Virus das zentrale Nervensystem befällt, werden Verhaltensauffälligkeiten beobachtet. In solchen Fällen wird insbesondere bei Wildtieren zusätzlich eine Untersuchung zum Ausschluss von Tollwut durchgeführt. Deutschland und damit auch Hessen sind zwar seit 2008 Tollwut- frei; dennoch müssen Wildtiere mit zentralnervösen Symptomen immer auch auf Tollwut untersucht werden, um den Freiheits-Status ständig zu kontrollieren. Solche offensichtlich erkrankten Wildtiere, die von Jägern erlegt wurden, oder Tiere, die tot aufgefunden werden, sollten aus diesem Grund zur Untersuchung an das LHL gebracht werden (LINK zu den Anfahrtsskizzen STO Kassel und STO Giessen).

Bei Haustieren stellt die Impfung die wichtigste Prophylaxemaßnahme gegen eine Staupe-Infektion dar. Da bei Wildtieren in vielen hessischen Landkreisen das Staupevirus mehr oder weniger stark verbreitet ist, empfiehlt es sich dringend den Impfschutz, insbesondere bei jagdlich geführten Hunden, aufrecht zu erhalten.