Berbere

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Berbere

Bei Berbere handelt es sich um eine äthiopische Gewürzmischung, die in der dortigen Küche in großen Mengen verwendet wird. Die Mischung unterliegt keinem einheitlichen Rezept, wesentliche Bestandteile sind Chili, Ingwer, Bockshornklee, Koriander, Nelken, Pfeffer, Muskat und Piment.

Auffällig seit 2014

Der Zoll bemerkte bereits in 2014, dass große Mengen an Gewürzen (bis zu 60 kg) im Gepäck von Reisenden aus Äthiopien mitgebracht wurden. Aufgrund der vorgefundenen Mengen musste von gewerblichen Einfuhren ausgegangen werden. Gewürze aus Äthiopien unterliegen grundsätzlich zunächst einmal keiner Einfuhrkontrollpflicht. Da aber der Zoll die Tierärztliche Grenzkontrollstelle (TGSH) hierüber informierte, wurden mehrere dieser Gewürzmischungen im Rahmen der amtlichen Marktkontrolle beprobt und in den Fachabteilungen des LHL im Hinblick auf ihre Verkehrsfähigkeit untersucht.

Problem Mykotoxine

Bei diesen Untersuchungen konnten verschiedene Mykotoxine in einer Größenordnung nachgewiesen werden, die eine Gesundheitsgefährdung für den Verbraucher darstellte, da Mykotoxine krebserregend sind. Bei Mykotoxinen handelt es sich um Schimmelpilzgifte, die hitzestabil sind und somit auch durch Kochen nicht zerstört werden.

Da die Belastung der beanstandeten Proben mit Mykotoxinen sehr hoch war, wurden in allen Fällen Meldungen an das europäische Schnellwarnsystem (Rapid Alert System für Food and Feed - RASFF) erstellt, und die Lebensmittelüberwachung am Firmensitz des Empfängers sowie das Hauptzollamt entsprechend informiert. Derart sensibilisiert, informierte der Zoll nun auch bei Frachtsendungen regelmäßig über die beabsichtigte Einfuhr von Gewürzsendungen. Aufgrund des bestehenden Verdachtes auf ein hohes Gesundheitsrisiko wurden derartige Sendungen regelmäßig zur Probennahme mit anschließender Untersuchung auf Mykotoxine ausgewählt.

Seit 2014 bis Ende 2015 wurden auf diese Weise 14 Sendungen Berbere am Frankfurter Flughafen beprobt und auf Mykotoxine untersucht, von denen etwa die Hälfte nicht verkehrsfähig war. Die beprobten Waren zeigten sich zumeist ohne oder mit arabischer Kennzeichnung. Die Beanstandungsquote für das Jahr 2015 lag sogar bei 80%.

Deutliche Höchstmengenüberschreitung

Die zulässigen Höchstmengen waren zumeist in hohem Ausmaße überschritten, für Aflatoxin B1 bis zum 14-fachen, für die Summe an Aflatoxinen bis zum 24-fachen und für Ochratoxin A bis zum 10-fachen der gesetzlich erlaubten Mengen. Interessanter Weise waren Mykotoxine nur in den rotgefärbten Gewürzen vorhanden. Somit liegt die Vermutung nahe, dass die Quelle der Kontamination in der Zutat Paprika- bzw. Chilipulver (Capsicum) liegt. Wegen dieser festgestellten häufigen und hohen Belastungen mit Mykotoxinen und den teilweise erheblichen Sendungsgrößen (bis zu 2,6 t) stellt die unkontrollierte Einfuhr von Berbere ein hohes Risiko für die menschliche Gesundheit dar.

Die vorliegenden Untersuchungsergebnisse wurden daher an die zuständigen Gremien der EU-Kommission gemeldet. Der für Kontaminanten zuständige Fachausschuss hat daraufhin über das Erfordernis beraten, eine sogenannte Schutzmaßnahme für Capsicum-haltige Gewürze aus Äthiopien zu erlassen. Dies würde u.a. eine EU-weite Vorführ- und Untersuchungspflicht bereits bei der Einfuhr an allen Außengrenzen der EU bedeuten. Nach derzeitigem Kenntnisstand soll eine diesbezügliche rechtliche Regelung noch 2016 in Kraft treten.