Urinprodukte für Jägereibedarf können auch „Zombie-Krankheit“ übertragen

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Lockstoffe bergen Infektionsgefahr für Tiere und Menschen

Bei stichprobenartigen Einfuhrkontrollen der Tierärztlichen Grenzkontrollstelle des Hessischen Landeslabors am Flughafen Frankfurt wurden in den vergangenen Jahren mehrfach über das Internet bestellte Lockmittel für Wildtiere für den Jägereibedarf gefunden, die tierische Substanzen wie Urin enthielten. Mittels Laboruntersuchungen konnten beispielsweise in Flaschen und Spraydosen einer Sendung Schweineurin aus den USA Gensequenzen von zwei Krankheitserregern nachgewiesen werden. Dabei handelte es sich zum einen um das Aujeszky-Virus, dem Erreger einer anzeigepflichtigen Tierseuche beim Schwein, und zum anderen um  eine als Zoonoseerreger bekannte Bakterienart (Leptospiren).

Da diverse weitere Infektionserreger von infizierten Tieren über den Urin ausgeschieden werden können, gilt seit 2016 in diesem Zusammenhang auch der sogenannten Chronischen Auszehrungskrankheit (Chronic Wasting Disease, CWD), die umgangssprachlich auch als „Zombie-Krankheit“ bezeichnet wird, eine besondere Aufmerksamkeit. Sie befällt verschiedene Wildwiederkäuer, bevorzugt Hirsche und Hirschartige, aber auch eine Infektionsgefahr für den Menschen kann nicht ausgeschlossen werden.

Was ist die „Zombie-Krankheit“?

Bei der CWD handelt es sich um eine Erkrankung, die ähnlich wie BSE („Rinderwahnsinn“) durch Prionen - entartete Eiweißmoleküle - hervorgerufen wird. Im Verlauf der Erkrankung kommt es zur Zerstörung von Zellen des zentralen Nervensystems mit Ausfallserscheinungen, wie unkontrollierten Bewegungen, Zittern und Torkeln, die der Krankheit den Namen „Zombie-Krankheit“ eingebracht hat.

Die Erkrankung wurde ursprünglich auf dem nordamerikanischen Kontinent entdeckt und hat sich in den letzten Jahrzehnten dort kontinuierlich ausgebreitet. Das bisher bekannte Verbreitungsgebiet der Erkrankung auf dem Nordamerikanischen Kontinent erstreckt sich über 24 US-amerikanische Bundesstaaten und drei kanadische Provinzen. Seit 2016 ist die Erkrankung auch in Europa präsent. Zu diesem Zeitpunkt wurden die ersten europäischen Fälle von CWD bei einem wilden Rentier sowie einem Elch in Norwegen festgestellt.

Wie erfolgt eine mögliche Infektion?

Eine Diagnose der Infektion ist bisher nur aus Gewebeproben toter Tiere möglich. Eine Infektionsgefahr geht jedoch neben verschiedenen Geweben (unter anderem des Zentralnervensystems, innerer Organe und der Muskulatur) auch von Ausscheidungen wie Urin, Kot, und Speichel aus. Die Prionen sind extrem stabil in der Umwelt und können in Ausscheidungen und im Boden über Jahre infektiös bleiben.

Was gilt es also zu beachten?

Bei Lockmitteln, welche vollständig oder weitgehend naturbelassene tierische Substanzen wie Urin enthalten, ist große Vorsicht geboten, da hiervon ein nicht unerhebliches Risiko der Übertragung von Infektionskrankheiten ausgehen kann – auch solcher, welche auf den Menschen übertragbar sind. Die Einfuhr von Präparaten aus unbehandeltem Urin aus Drittländern in die EU ist darüber hinaus verboten.

Ausführliche Informationen sind unter unten angegebenem Link zu finden.

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