Internethandel mit Nahrungsergänzungsmitteln und Sportlernahrung

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Nahrungsergänzungsmittel
Nahrungsergänzungsmittel

Im Rahmen der Einfuhrkontrolle am Frankfurter Flughafen werden regelmäßig Produkte beprobt, die von Verbrauchern über das Internet bestellt und über Post oder Kurierdienste direkt an den Endkunden ausgeliefert werden.

Besonders im Fokus stehen hierbei Nahrungsergänzungsmittel, Schlankheitsmittel, Potenzmittel und Sportlernahrung. Die Untersuchungsergebnisse dieser Erzeugnisse sind alarmierend. Beanstandungsquoten von über 60% der untersuchten Produkte, die mit einer akuten Gesundheitsgefährdung einhergehen, sind keine Seltenheit.

Neben äußerst bedenklichen Inhaltsstoffen fehlt bei allen Produkten die nach geltendem Recht erforderliche Kennzeichnung mit Angabe der Verzehrsempfehlung sowie der Inhaltsstoffe. Schon eine einmalige Verwendung könnte im schlimmsten Fall tödlich enden.

Proben (2011-2015)

Proben beanstandet

nachgewiesene Stoffe

Nahrungsergänzungsmittel/ Sportlernahrung

178

113 (63%)

Sibutramin, Didesmethyl-Sibutramin, Phenolphthalein, Sildenafil, Tadalafil,

Dimethylamylamin (DMAA), Dimethybutylamin (DMBA), Yohimbin, Synephrin, Methylsynephrin,

Da Hersteller und Versender im Drittland sitzen, ist eine amtliche Kontrolle im Rahmen des Produktionsprozesses nicht möglich. Ferner gibt es im Inland auch keine Handelsstufe, die eine regelmäßige Überwachung ermöglicht.

Jedem Verbraucher kann daher nur dringend empfohlen werden, die Internetseite, bei der er bestellen möchte, einer sorgfältigen Prüfung zu unterziehen. Hilfreich sind hierbei sogenannte „Gütesiegel“, die nur unter bestimmten Voraussetzungen vergeben werden und somit ein gewisses Maß an Sicherheit für den Verbraucher gewährleisten. Nähere Informationen hierzu können unter diesem Link abgerufen werden.

Schlankheitspräparate

Zielgruppen von Schlankheitsmitteln sind u.a. Kraftsportler und Bodybuilder (Fatburner), aber auch Personen (Slimming supplements), die vermeintlich schnell und unkompliziert abnehmen wollen.

In Drittlands-Proben werden häufiger Sibutramin sowie chemische Abwandlungen dieser Verbindung und Phenolphthalein nachgewiesen. Dabei handelt es sich um Wirkstoffe, die ursprünglich einmal arzneilich verwendet wurden. Im Arzneibereich sind diese Stoffe aber schon seit Jahren obsolet, da sie im Verhältnis zum Nutzen nicht vertretbare gesundheitliche Risiken bergen. Diese Wirkstoffe sind in der Regel nicht auf dem Etikett ausgewiesen und nicht selten werden die Präparate damit beworben, dass die schlankmachende Wirkung allein auf pflanzliche Inhaltsstoffe zurückgehe.

Potenzmittel

In Nahrungsergänzungsmitteln zur Potenzsteigerung werden häufig sogenannte Phosphodiesterase-5-Hemmstoffe (PDE-5-Hemmer) nachgewiesen. Es handelt sich um in Fertigarzneimitteln verwendete Arzneistoffe wie z.B. den Viagra-Wirkstoff „Sildenafil“ und Tadalafil (Cialis).

Von diesen Arzneistoffen existieren eine Vielzahl von chemischen Abwandlungen, die ebenfalls eingesetzt werden. Letztere stellen die Analytik oft vor große Herausforderungen.

Auch wenn die originären Arzneistoffe noch in Medikamenten gegen erektile Dysfunktion verwendet werden, so ist deren Anwendung nicht frei von Nebenwirkungen. Bei Patienten mit bestimmten Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie z.B. kürzlich erlittenem Herzinfarkt oder Schlaganfall, Patienten mit instabiler Angina pectoris, schwerer Herzinsuffizienz oder bei Arrhythmien sollten PDE-5-Hemmer nicht eingenommen werden.

Eine gleichzeitige Einnahme mit organischen Nitraten, welche der Prophylaxe und Therapie von Angina pectoris dienen, ist ebenfalls kontraindiziert. Während die im Handel erhältlichen Medikamente ausnahmslos der ärztlichen Verschreibungs- und Apothekenpflicht unterliegen, sind diese Wirkstoffe in den analysierten Proben jedoch auf dem Etikett nicht angegeben.

Sportlernahrung

In Sportlernahrungen aus den USA wurden in den vergangenen Jahren zudem häufiger (Doping) Stoffe nachgewiesen, die auf der Verbotsliste der Welt Anti-Doping Agentur (WADA) stehen.

  • Die untersuchten Proben stammten vorwiegend vom Flughafen Frankfurt, ferner auch aus dem stationären Einzelhandel sowie aus Testkäufen im Rahmen des BVL-Internetprojekts G@ZIELT.
  • Aufgrund von schwerwiegenden, unerwünschten Wirkungen waren einige Produkte sogar Gegenstand europäischer und weltweiter Schnellwarnungen.
  • Prominente Beispiele sind Pre-Workout-Präparate mit Dimethylamylamin (DMAA) – ein Stimulanz, das im Profisport zu der häufigsten missbräuchlich verwendeten Dopingsubstanz gehört.
  • Neben anabolen Steroiden, sind Stimulanzien die zweitwichtigste Gruppe missbräuchlich verwendeter Dopingmittel. Weitere Substanzen dieser Stoffgruppe sind beispielsweise Methylsynephrin und Dimethybutylamin (DMBA), ein Derivat des DMAA.
  • Kritisch sind auch ayurvedische Präparate mit extremen Schwermetallgehalten und Präparate mit hohen Vitamin-/ Mineralstoffzusätzen zu sehen.

Aufgrund unserer Erfahrungen raten wir daher dringend davon ab, Nahrungsergänzungsmittel und Sportlernahrung aus dem EU-Ausland über das Internet zu beziehen.