Honig auf dem Prüfstand – Überwiegend Kennzeichnungsmängel festgestellt

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Honig im Glas

Untersuchung auf Pflanzenschutzmittel

Das Hessische Landeslabor hat in 2019 33 Honigproben auf Pflanzenschutzmittel (PSM) untersucht. In wenigen Honigen konnten vereinzelt Spuren von PSM nachgewiesen werden, die sämtlich deutlich unterhalb der entsprechenden Höchstmengen lagen. Bei Frühtrachthonigen wurden beispielsweise PSM gefunden, die typischerweise im Rapsanbau verwendet werden. Hierzu zählt Thiacloprid, das in acht Honigen jeweils unter der Höchstmenge von 0,2 Milligramm pro Kilogramm (mg/kg) enthalten war.

Untersuchung auf den Gehalt an Blei

In 2019 wurden weitere 33 Honige auf ihren Gehalt an dem Schwermetall Blei untersucht. Hierbei kam es zu keinerlei Beanstandungen. Die jeweils gemessenen Werte lagen weit unter der in der EU-Verordnung (EG) 1881/2006 festgelegten Höchstmenge von 0,1 mg/kg

Weitere Untersuchungen

Neben den erwähnten Untersuchungen auf Schwermetalle und PSM werden Honige im LHL regelmäßig auf Pyrrolizidinalkaloide (PA), Hydroxymethylfurfural (HMF), Ethanol, Wassergehalt, Leitfähigkeit und Zuckerspektrum untersucht.

Spezielle Untersuchungsprogramme: Nationaler Rückstandskontrollplan (NRKP) für Lebensmittel tierischen Ursprungs

Der NRKP umfasst alle der Lebensmittelgewinnung dienenden lebenden und geschlachteten Tiere sowie Primärerzeugnisse vom Tier. Im Rahmen des NRKP werden demnach Rinder, Schweine, Schafe und Pferde, Geflügel, Fische aus Aquakulturen sowie Kaninchen, Wild, Eier, Milch und Honig nach den EU-weit geltenden Vorschriften kontrolliert.

Ziele des NRKP sind:

  • Vorbeugender gesundheitlicher Verbraucherschutz
  • Aufdecken illegaler Anwendung verbotener oder nicht zugelassener Stoffe
  • Kontrolle des vorschriftsmäßigen Einsatzes von zugelassenen Tierarzneimitteln
  • Erfassung der Belastung mit Umweltkontaminanten wie beispielsweise Schwermetallen und anderen unerwünschten Stoffen

Im Rahmen des NRKP werden im LHL regelmäßige Untersuchung von Honigen von hessischen Imkern untersucht. NRKP – Proben werden zusätzlich und getrennt von den üblichen Planproben untersucht und sind nicht in den anderen Probenzahlen enthalten. In 2019 wurden 15 dieser Honigproben untersucht. Untersuchungsziele waren Schwermetalle, diverse Pflanzenschutzmittel und Antibiotika. Keine dieser Untersuchungen zeigte eine Belastung oberhalb geltender Grenzwerte.

Kennzeichnung oft mangelhaft

In 2019 kamen insgesamt 117 Honigproben ins Landeslabor nach Kassel. Davon mussten rund 10 Prozent aus unterschiedliche Gründen beanstandet werden. Beanstandungsgründe waren überwiegend Kennzeichnungsmängel wie fehlende Angabe des Ursprungslandes, fehlende Losnummer, unvollständiges oder auch fehlendes MHD sowie fehlende Herstellerangabe. Ein Honig wurde aufgrund irreführender Qualitätsauslobung („Spitzenqualität vom Imker“) bei zu hohem Wassergehalt (18,7 %) beanstandet. Nach den Leitsätzen für Honig beträgt der Wassergehalt bei derartigen Auslobungen max. 18 g/100g.

Ein weiterer Beanstandungsgrund war bei einem Honig die Bezeichnung „Kinderhonig“. Die Angabe „Kinder…“ ist als irreführend zu beurteilen. Hier entsteht fälschlicherweise der Eindruck, das vorliegende Erzeugnis habe einen speziellen (ggf. auch ernährungsphysiologischen) Nutzen für Kinder. Darüber hinaus darf die Bezeichnung „Honig“ lediglich durch Angaben beispielsweise zu regionaler Herkunft, Herkunft aus Blüten oder besonderen Qualitätsmerkmalen ergänzt werden. Eine Ergänzung der Bezeichnung Honig durch die Angabe bestimmter Zielgruppen (hier: Kinder) ist gemäß der Honigverordnung nicht vorgesehen.

Nährwert- und gesundheitsbezogene Aussagen unzulässig

Beanstandet werden mussten auch krankheits- bzw. gesundheitsbezogene Werbeaussagen auf einigen Honigverpackungen, wie „Honig wirkt antibakteriell“, „Natürliches Antibiotikum“, „Honig ist gesund“, „Wichtig für das Immunsystem“, „Honig erhält die Leistungsfähigkeit und dient der Förderung des körperlichen und geistigen Wohlbefindens“ etc. Diverse Honigproben wurden auf der Internetseite des Anbieters ebenfalls mit unzulässigen gesundheits – bzw. krankheitsbezogenen Angaben, wie beispielsweise: „perfekt für die Darm – und Leberreinigung“, „präbiotische Wirkung“ oder auch  „…lindert sehr effektiv quälende Halsschmerzen und Halsentzündungen“  beworben.

Ein Honig aus dem Internet mit Verunreinigungen

Zwei Packungen Manuka Honig, welche der Beschwerdeführer bei einem Internethändler erworben hatte, wurden aufgrund Verunreinigungen beanstandet. Der Honig enthielt eine Vielzahl an feinen, metallartigen Fäden, deren Ursprung jedoch nicht geklärt werden konnte.